Die Post

Geschrieben von erpel

…ist im zur Zeit eine Institution unter Attacke.
Die einen wollen sie still legen, die anderen verzichten auf ihr Geheimnis und schreiben offene Briefe.

Nach der literarisch wertvollen Einleitung sei mir erlaubt zu sagen, dass ich hier tatsächlich mal Arbeit reingesteckt habe.

Es geht um den Brief von Künstlern an die Kanzlerin,abrufbar ist er auf der Seite der deutschen Musikindustrie.

Unterzeichnet haben ihn rund 200 Künstler sagen andere Medien, ich habe das nicht nachgezählt aber bin trotzdem einmal durch die Liste gegangen und habe aufgeschrieben wer mir aufgefallen ist. Wer offene Briefe unterschreibt will schließlich offen-tlichkeit.

Götz Alsmann (WTF?) Culcha Candela Samy Deluxe Juli Alexander Klaws(Bohlenzögling) Annett Louisan LaFee MIA Oomph! Monrose Michael Mittermeier Reamonn Revolverheld Rosenstolz Sascha Schiller(Ich vermute die Elektropop-Gruppierung, nicht der Dichter, Dramatiker, Philosoph sowie Historiker) Barbara Schönerberger Atze Schröder Scooter Söhne Mannheims Seeed

BAP DJ Ötzi Herbert Grönemeyer Peter Heppner Höhner Udo Jürgens Klaus&Klaus Mickie Krause Udo Lindenberg Dieter Thomas Kuhn Peter Maffai Ralph Siegel Tokio Hotel

Detlev Buck Klaus Doldinger Bernd Eichinger Till Schweiger Sönke Wortmann

Ob Michael Krüger die Supernase ist, weiß ich nicht.

Fettes Brot hat übrigens den Brief nicht unterzeichnet, darf aber auf der seite der ifpi auch was sagen.

Entweder sind die Betreiber von Musikindustrie gut in der Lage damit umzugehen dass es auch Künstler gibt die sie nicht unterstützen. Oder sie sind blind für Ironie. Es sei denn, Dokter Renz, König Boris und Björn Beton meinen das mit dem Auspeitschen ernst.

Pavel Mayer hat wiederum einen anderen Brief verfasst und ebenfalls offen gemacht.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

gestern war der Tag des des geistigen Eigentums, und sie haben einen Brief von einhundert selbstlosen Kulturschaffenden erhalten, die aufgrund der unmoralischen Nutzung des Internets in Sorge sind, dass der Nachwuchs demnächst für sein Geld dauerhaft hart zu arbeiten gezwungen sein könnte und niemand mehr mit einem einzigen Supererfolg für alle Zeiten ausgesorgt haben wird.

Kulturschaffende waren bereits im vorigen Jahrhundert durch das Aufkommen von Kompaktkassetten, Videorecordern, Photokopiergeräten und CD-Brennern vom Ruin bedroht. Als plötzlich jedermann Kopien und Mitschnitte von Rundfunksendungen anfertigen konnte und diese an seine ganzen Freunde verschenkte, hat das die Kultur zwar beflügelt, aber das konnte ja niemand wissen. Das darf sich nicht wiederholen. Diesmal muss der Fortschritt aufgehalten werden.

Im 19. Jahrhundert zerstörte die ungehinderte Einführung von Kältemaschinen eine florierende weltweite Eistransportindustrie, und im 20. Jahrhundert trieb der Verbrennungsmotor zahlreiche Dampfmaschinenhersteller und Pferdezüchter in den Ruin. Weltweit gingen Millionen von Arbeitsplätzen verloren, Aktionäre gingen bankrott. Diese Beispiele zeigen, daß der technologische Fortschritt mit Leichtigkeit höchst erfolgreiche Geschäftsmodelle zerstören kann, was für die Betroffenen sehr unangenehm ist.

Dank Ihres vorbildlichen Einsatzes, Frau Bundeskanzlerin, haben die Chinesen völlig damit aufgehört, einfach etwas zu kopieren, leben im Wohlstand und schützen ihre Bürger vorbildlich vor gefährlichen Inhalten aus dem Internet. Auch England und Frankreich nehmen sich bereits ein Beispiel an China.

In Deutschland dagegen wurden allein im vergangenen Jahr über 300 Millionen Musikstücke im Wert von 100-200 Millionen Euro illegal aus dem Internet heruntergeladen. Im Durchschnitt hat sich also jeder Bundesbürger einen unrechtmäßigen Vorteil von fast 2 Euro verschafft, zehnmal mehr, als legal verkauft wurde. Welch Wachstum und Wohlstand für Deutschland hätte man mit 100 Millionen Euro mehr in den Händen der Contentindustrie wohl erreichen können?

Die Versuche, dem Verbraucher mit technischen Mitteln unmoralische Handlungen zu erschweren, warenüberraschenderweise kontraproduktiv, da offenbar trotz aller Aufklärungsbemühungen nur wenige Konsumenten bereit sind, für defekte Produkte bei eingeschränkter Vielfalt Geld auszugeben, während funktionierende Produkte in voller Vielfalt einfach so aus dem Internet heruntergeladen oder von Freunden kopiert werden können.Aber das Internet wurde schliesslich nicht erfunden, um frei Informationen auszutauschen, sondern schnell viel Geld zu verdienen zu können.

Es kann nicht sein, dass weiterhin alle Bevölkerungsschichten, darunter auch viele mittellose Jugendliche und das sozial Schwache sich für wenig Geld Kulturgenuss verschaffen und dafür gerade einmal 6.7 Mrd. Euro Rundfunkgebühren, hunderte Millionen an Pauschalabgaben und Milliarden an Mehrwertsteuern auf technische Geräte entrichten? Oder noch schlimmer, sich vielleicht Fernsehaufzeichnungen mit herausgeschnittener Werbung ansehen? Diese existentielle Bedrohung des Nachwuchses unserer Kulturelite ist eine Bedrohung Deutschlands als Kulturstandort, so wie wir ihn kennen.

Was, wenn jeder Film, jedes Musikstück und jedes Buch, das jemals aufgezeichnet wurde, legal herunter geladen werden könnten, statt kontrolliert vermarktet und rechtzeitig entsorgt zu werden, um Neuem Platz zu machen? Da müsste der Nachwuchs ja bessere Produkte liefern als die Alten, und man müsste selbst entscheiden, was man rezipieren soll, oder sich auf Empfehlungen von Freunden verlassen, statt wie bisher bequem ummarktet zu werden.

Und Sie können es unmöglich zulassen, dass Nachwuchstalente unter Umgehung der etablierten, hoch entwickelten Verwertungskonzerne direkt an den Verbraucher verkaufen. Schliesslich tragen diese Konzerne mit ihren selbstlosen Spenden erheblich zur politischen Willensbildung in unserem Land bei.

Die Musik und Filmindustrie (1,6 bzw. 3 Mrd. € Umsatz) darf nicht weiterhin nur ein Mitesser am Gesäß der IT-Industrie (134 Mrd. €)

bleiben, denn sie versorgt viele Stars, die wichtige Multiplikatoren sind und mit denen Sie, Frau Bundeskanzlerin, es nicht nicht verscherzen sollten. Bitte sorgen Sie dafür, das die Content-Industrie sich an prominenterer Stelle im Wirtschaftskreislauf festsetzen und sich ungehindert ausbreiten kann.

Ihre möglicherweise bestehenden Befürchtungen hinsichtlich der Popularität der notwendigen Massnahmen sind verständlich, aber Sie können sicher auch hier erfolgreich auf europäische Richtlinien verweisen, die umgesetzt werden müssen. Erfreulicherweise konnte ja Deutschland bereits dank der kostenlosen Mitarbeit von Konzernvertretern in den Ministerien deutliche Fortschritte bei der Wirtschaftsfreundlichkeit der Gesetze erreichen.

Geistiges Eigentum ist das Öl des 21. Jahrhunderts. Wo kämen wir da hin, wenn jeder Bürger in unserem Land Öl beliebig und zu geringen Kosten vervielfältigen könnte? Wir, das Internet, möchten Sie daher bitten, die Angelegenheit zur Chefsache zu machen, da es wohl derzeit kaum wichtigere Probleme gibt, um die Sie sich kümmern müssten.

In Hoffnung auf ihre Unterstützung und mit freundlichen Grüssen

Das Internet

Warum die Musikindustrie nur einen Link bekommt während der andere Brief hier komplett landet?

Bei diesem Brief bin ich sicher, dass der Autor mir nicht schaden wird wenn ich seinen Text reproduziere. Genau wie Tim mir verzeihen möge, dass ich sein markup wiederverwerte.

Geschrieben in Web, kommerz, repost | 2 Kommentare

2 Kommentare bisher

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  1. 29. April 2008 um 23:44 Uhr

    Freischneider sagt,

    Einfach wunderbar, der offene Brief des “Internets”.
    Sehe ich ebenso.
    Von Malerei konnte man auch mal Leben, wird Musik halt auch zur brotlosen Kunst, sowas passiert.

    Frau Merkel sollte sich vielleicht auch um Produktpiraterie im Maschinenbau kümmern, Exportland Nummer eins und so… DAS wäre ein Punkt, den man erwähnen könnte.

  2. [...] notouching [...]

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