In erpels Ausführungen zur derzeitigen Situation der Gesellschaft ging es vor allem um Aspekte, die neue Inhalte (z.B. materielle Dinge, aber auch das Produkt “Information”) produzieren und der Gesellschaft einverleiben. Mit Blick auf die benötigten und vorhandenen Ressourcen ist eine Konzentration auf die Weiterverbreitung und Nutzung von neuen und alten Informationen durchaus sinnvoll.
Leider schließt eine solche Zielsetzung nicht ein, dass alle Mitglieder gleichberechtigt an der Neugestaltung der ihrer Gesellschaft teilnehmen. Soziologisch gesehen werden zwar alle Mitglieder von der Gesellschaft beeinflusst und beeinflussen ihrerseits die Gesellschaft, die Relevanz dieser Beeinflussungen sind aber je nach “Stand” des Individuums unterschiedlich.
Geht es in Deutschland um das Schlagwort Integration, so beschränkt man sich in der Debatte stets nur auf einen bestimmten Teil der Gesellschaft und lässt andere Gruppen völlig außer Acht. Kann dies darauf zurückgeführt werden, dass Menschen mit Behinderung zu wenig im Interessenschwerpunkt der Gesellschaft liegen, eine zu kleine Lobby haben oder man der Meinung ist, dass in diese Richtung schon genug getan wird?
Höchstens im Bezug auf ein inklusives oder zumindest integratives Schulsystem rücken Menschen mit Behinderung näher in das Zentrum der Aufmerksamkeit. Wobei es auch hier häufig um die Frage geht, wie gemeinsamer Unterricht sich auf die Lernerfolge der “nichtbehinderten” Kinder auswirkt und nicht umgekehrt.
Menschen mit Behinderung (wie auch andere Gruppen) passen nun mal leider nur schwer in das beschränkte Bild der leistungsorientierten Gesellschaft. Wer eine geforderte Leistung nicht erbringen kann, oder derjenige, von dem erwartet wird, dass er eine Leistung nicht erbringt, rückt in den Randbereich der Gesellschaft. Systemtheoretisch kann dann nur noch deswegen von Integration gesprochen werden, da selbst diese Menschen amtlich registriert sind und teilweise Ansprüche auf Wohltätigkeiten geltend machen können.
Also: Bevor der Blick auf das Neue, das zu Produzierende, geht, sollte man sich des bestehenden Systems bewusst werden und sich darum kümmern, was Gesellschaft ausmacht: nämlich alle Menschen, die in ihr leben.
Oder aber: ein Komet.
Da alles Andere zu weit führen würde und, weil ich sowas schon immer einmal machen wollte, hier zwei Literaturempfehlungen:
Feuser, G., “Geistigbehinderte gibt es nicht!”. Zum Verhältnis von Menschenbild und Integration
Wimmler, L., Die Institution Geistigbehindertsein verstehen. Kapitel 3: Was ist eine Institution?
Jawohl, eine formell korrekte Angabe der beiden Werke wäre angebracht, da dies aber keine Doktorarbeit oder eine kommerzielle Publikation ist, werde ich die korrekte Form nicht nachschlagen.